Aktuell


Das Mitfahrbankerl

https://www.meinbezirk.at/krems/lokales/das-mitfahrbankerl-macht-trampen-wieder-cool-d2181293.html

 

Gute Nachrichten in den Bezirksblättern:

 

In St. Leonhard und Gars am Kamp stehen die ersten beiden Mitfahrbankerln in Niederösterreich. Dabei handelt es sich um ein zukunftsweisendes Konzept zur Ergänzung des öffentlichen Verkehrs und zur Fortbewegung über regionale Distanzen ohne eigenes Auto. Platz nehmen, gewünschtes Fahrziel an der Haltestellentafel auswählen, ein wenig warten und bei der nächstbesten Gelegenheit einsteigen und mitfahren.


Das neue Konzept wird von Verkehrslandesrat Karl Wilfing begrüßt: „Neben den großen Verkehrsrouten mit Bus und Bahn, die vom Land NÖ bestellt und finanziert werden, braucht es auch kleinräumige Mobilitätslösungen. Die Mitfahrbankerln sind daher eine gute Möglichkeit, Mobilität bis in die Orte zu bringen und auch für ältere Menschen in kleinen Gemeinden sicher zu stellen.“

Vorerst stehen die beiden Prototypen des Bankerls in St. Leonhard in der Kurve bei der Bäckerei Wögenstein (Höfler) und in Gars bei der Fleischerei Schober. Erkennbar sind sie durch das Haltestellenschild und eine Magnettafel, an der das Wunschziel – gut leserlich für die vorbeifahrenden Autofahrer – angebracht wird. Zur Auswahl in St. Leonhard stehen derzeit vorgefertigte Tafeln für Horn, Gars und Gföhl.

Wer sich für die Idee begeistert und ein Mitfahrbankerl in seiner Nähe haben möchte, kann sich bei den Mobilitätsbeauftragten der Gemeinde oder direkt beim Mobilitätsmanagement der NÖ.Regional.GmbH unter www.noeregional.at näher informieren.

Leserbrief NÖN 29/S. 32

Leserforum NÖN 29, 19. 7. 17, S. 32
„Foto-Verbot“ schlägt hohe Wellen
zum Bericht „Polit-Streit um Kunst im Freibad“ (NÖN 28/2017, S. 27):
Wir sind erstaunt über die Ereignisse, die sich in der letzten Schulwoche im Terrassenbad
Drosendorf zugetragen haben! Es war Direktorin Beatrix Hengstberger, die die Frische Liste
Drosendorf (FLD) in einen Zusammenhang mit der Malaktion der Kinder gebracht hat und nach
ihrem Foto-Verbot mit Klagen gedroht hat, falls die Geschichte in die Zeitung kommt.
Stadtrat Leopold Meiringer (FLD), zuständig für das Terrassenbad, war nicht anwesend, und auch
sonst wäre niemand auf die Idee gekommen, die Aktion für Werbezwecke zu nützen.
Allerdings sei darauf hingewiesen, dass auf fast allen Bildern aus der VS Drosendorf ÖVP-Funktionäre
zu sehen sind, allen voran Vize Hilde Juricka – oft genug sogar, ohne mit der
jeweiligen Veranstaltung etwas zu tun zu haben. War sie an jenem Tag etwa verhindert?
Im Artikel steht, Driektorin Hengstberger „fühlt sich übergangen“, sie sei nicht über die Aktion der
Schulklasse informiert gewesen. Das kann nicht stimmen, sie selbst hat ja den Plan für die letzte
Schulwoche mit diesem Termin an alle Eltern geschickt (er liegt der NÖN vor, Anm.).
Leonardo Mora ist ein engagierter Buffet-Pächter, er bringt Farbe ins Terrassenbad und kann gut
mit Kindern umgehen. Darüber freuen wir uns und danken ihm!
P.S.:
Seit Gründung der Frischen Liste im Jahr 2010 werden Personen, die der Nähe zu ihr verdächtigt
werden, schikaniert und bedroht. Welch absurde Ausmaße das annehmen kann, war am Foto-
Verbot zu sehen. Hier haben sich Strukturen des Machtmissbrauchs und der Repression ganz ohne
Zutun der FLD offenbart. Die Diskussionen im Ort fördern bislang Unausgesprochenes zutage. Solche
Prozesse sind nicht immer angenehm, doch halten wir sie für wichtig im Bestreben um ein
konstruktives Zusammenleben, für das wir uns weiterhin einsetzen werden.

Wilde Wasser

Foto: Riverwatch. Ulrich Eichelmann, Riverwatch, spricht auf Ö1 über die (Un)Rentabitität von Kleinwasserkraft
Foto: Riverwatch. Ulrich Eichelmann, Riverwatch, spricht auf Ö1 über die (Un)Rentabitität von Kleinwasserkraft

Im Ö1 Radiokolleg läuft diese Woche eine Serie zum Thema „Wilde Wasser“, in der es um die Renaturierung von Fließgewässern geht.

In der Sendung am Montag, 10. Juli (noch nachzuhören bis 17. Juli unter http://oe1.orf.at/) erklärt Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer der Umweltorganisation Riverwatch,  zur Stromversorgung aus Wasserkraft:

In der gesamten EU gibt es 23.000 Wasserkraftwerke. 2.000 davon liefern 90% des Stroms, das bedeutet, dass die restliche 21.000 zusammen nur 10% des Stroms auf dem Markt erzeugen. Wenn von denen nun 10.000 wegfielen, würde das kein Mensch bemerken.

Noch krasser ist die Situation in Österreich. Im Ministerium sind 5.000 Wasserkraftwerke registriert. 4.800 davon produzieren nur 2,8% des Stroms und zerstören dafür 4.800 mal Flusslandschaften.

Ulrich Eichelmann: „Das ist komplett idiotisch!"

Stadtmauer endlich befreit!

Die Nordseite der historischen Mauer wurde von einer großen Last befreit

Ein Spaziergang entlang der Winterpromenade lohnt sich derzeit besonders, denn die historische Stadtmauer wurde dort vom Bewuchs befreit und ist in ihrer ganzen beeindruckenden Pracht wieder zu sehen. Wer den Spaziergang mit  dem Bauhistoriker Ronald Woldron am 22. April miterlebt hat, wird vermutlich noch seine begeisterten Ausführungen über die „fantastische Anordnung der Steine“ im Ohr haben. Umso spannender ist es derzeit, Details (wieder)zu entdecken, die unter dem Laub verborgen waren. Stiegenaufgänge, Fenster, Schießscharten, alles, was so eine ehrwürdige Verteidigungsanlage einst aufbieten musste.

Wir freuen uns darüber, dass die Arbeiten an der Nordseite so gut gelungen sind und halten Daumen für den nicht unerheblichen Rest, der noch zu erledigen sein wird.

Aktionstag Stadtmauer, 22. 04. 2017      Stadtmauernspaziergang mit dem Bauhistoriker Ronald Woldron

Woldron, Ronald/Rhomberg, Raimund: DROSENDORF. Starke Mauern an der Thaya. Eine bauhistorische Wanderung entlang der Stadtbefestigung.
Woldron, Ronald/Rhomberg, Raimund: DROSENDORF. Starke Mauern an der Thaya. Eine bauhistorische Wanderung entlang der Stadtbefestigung.

Um auf das wertvolle Kulturgut der Stadtmauern aufmerksam zu machen, bieten die NÖ Stadtmauerstädte im Rahmen des Aktionstages Stadtmauer jedes Jahr bei freiem Eintritt Stadtführungen und Events für Einheimische und Gäste an.

Am 22. April 2017 spazierten bei strömendem Regen und kaltem Wind an die 30 Drosendorferinnen und Drosendorfer, sowie ein Gast aus Tulln, mit dem Bauhistoriker Ronald Woldron vom Hauptplatz vorbei am Stockkastl zum Horner Tor und von dort über die Winterpromenade bis zum Raabser Tor.

Die begeisterten Ausführungen des „Dedektivs der Steine“ waren derart mitreissend, dass dir Gruppe trotz des unfreundlichen Wetters zwei Stunden aufmerksam lauschte und Fragen zu historischen und baulichen Details diskutierte.

 

Die Publikation DROSENDORF. Starke Mauern an der Thaya von Raimund Rhomberg und Ronald Woldron ist bei der Gemeinde erhältlich.

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Schaden an der Stadtmauer

Der gefürchtete Eisstoß auf der Thaya ist Drosendorf erspart geblieben, der eisige Winter hat jedoch offenbar der Stadtmauer zugesetzt: an der Winterpromenade auf der Höhe des Bürgerspitals gibt es einen beträchtlichen Schaden. Stadtrat Leopold Meiringer und Bürgermeister Josef Spiegl sind informiert und werden die notwendigen Schritte zur Sicherung einleiten.

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Neuigkeiten zum Kleinkraftwerk Spitalmühle

Gemeinderat am 27. Oktober 2016

GR Maier stellt die Anfrage, wann mit dem Kleinwasserkraftwerksbau begonnen wird?
- Bgm. Spiegl: „Zuerst müssen die erforderlichen Geldmittel gesichert sein. Der Bau selbst durch die Fa. Fürholzer stellt ja kein Problem dar, nur muss die Anlage dann 2019 übernommen werden. Leider ist noch immer nicht der Gesetzesbeschluss bezüglich Steuerbegünstigung bei Bürgerbeteiligung bzw. Firmen beschlossen worden, um diese Investitionen steuermindernd absetzen zu können.“

Die Frische Liste meint dazu: Bürgerbeteiligung bedeutet nicht nur „mitzahlen“, sondern in erster Linie „mitbestimmen“. In der aktuellen Finanzsituation und nach Prüfung der Fördermöglichkeiten für ein derartiges Großprojekt käme der Kraftwerksbau viel zu teuer für die Gemeinde und würde auch nicht die erhofften Einnahmen bringen. Siehe dazu auch „Es darf da keine Denkverbote geben“, Interview mit Dr. Bernhard Pelikan (weiter unten).

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Aktionstag Stadtmauer 2016

Stadtspaziergang mit Dr. Franz Stürmer

Das Horner Tor aus ungewöhnlicher Perspektive. Foto: Cordula Bösze
Das Horner Tor aus ungewöhnlicher Perspektive. Foto: Cordula Bösze

Geschichte

Start des Spaziergangs war bei der Mariensäule. Etwa 50 Personen – hauptsächlich aus Drosendorf – fanden sich am Hauptplatz ein, wo nach einer kurzen Begrüßung durch Cordula Bösze der Historiker und Kräuterspezialist Franz Stürmer den Spaziergang mit Erläuterungen zur Pestsäule und ihrer Geschichte eröffnete.

Orte und Kräuter

Hochinteressant an dem zweistündigen Rundgang waren nicht nur die historischen Fakten und ungewöhnlichen Ausblicke auf die Stadt und ihre Befestigung, sondern auch, ganz nebenbei, die vielen Hinweise auf essbare Kräuter, die an der Stadtmauer wachsen.

Geschichten

 

Virtuos verstand es Franz Stürmer, den Zuhörenden zuerst die überlieferten Sagen, wie z. B. jene zum Fleischhacker-Marterl, und danach die tatsächlichen Fakten dazu näher zu bringen. Ein äußerst genussreicher Nachmittag, bei dem auch das Wetter Einsehen hatte und sich nicht an die regnerische Vorschau hielt!


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„Es darf da keine Denkverbote geben!“

Dr. Bernhard Pelikan, BOKU Wien. Foto: Julia Snajdr
Dr. Bernhard Pelikan, BOKU Wien. Foto: Julia Snajdr

Die Gemeinde Drosendorf hat zur Finanzierung der vorgeschriebenen Fischwanderhilfe bei der Spitalmühle (Strandbad) die Planung eines Kleinkraftwerks in Auftrag gegeben.

Die zahlreichen technischen, finanztechnischen und ökologischen Fragen dazu kann nur ein Experte kompetent und umfassend beantworten, daher hat die Frische Liste Herrn Professor Dr. Bernhard Pelikan von der BOKU Wien, der sich seit 30 Jahren mit dem Bau von Kleinkraft-werken und Fischaufstiegshilfen beschäftigt, um ein Interview gebeten.

 

Im ersten Teil geht es um Fragen zu den Fischwanderhilfen, die mittlerweile Organismenwanderhilfen genannt werden, weil auch Kleinstlebewesen die Hindernisse in der Thaya überwinden können sollen. Dabei wird der Eindruck bestätigt, den die meisten Drosendorfer*innen haben: dass nämlich die Natur hier an der Thaya in einem sehr guten Zustand ist, was z. B. auch durch die Anwesenheit seltener Vögel, wie dem Eisvogel, bestätigt wird. Durch die Wehranlagen, die zum Teil vor mehreren Jahrhunderten errichtet worden sind, sind neue Lebensräume für Pflanzen- und Tierwelt entstanden. Die Durchgängigkeit der Gewässer muss jedoch per Gesetz trotzdem hergestellt werden. Bernhard Pelikan erläutert in dem Gespräch die Bautypen von Organismenwanderhilfen, und beschreibt anschaulich die Möglichkeiten, die an der Spitalmühle im Strandbad gegeben wären:

 

1) Ein Umgehungsgerinne (wie bei der Häckelmühle), wofür der alte Mühlbach genutzt werden könnte.

2) Eine flache Rampe, für die unterhalb der Wehranlage Steine aufgeschüttet würden, wodurch Becken entstehen, über die Fische und Kleinstlebewesen wandern könnten. Diese Variante sieht sehr natürlich aus und würde auch die (sanierungsbedürftige) Wehranlage im Strandbad besser abstützen.

 

Im zweiten Teil des Interviews wird der konkrete Bauplan für ein Kleinkraftwerk in der Spitalmühle besprochen – wobei derzeit wesentliche technische Details noch nicht bekannt sind. Pelikan hält es durchaus für möglich, dass hier ohne Beeinträchtigung des Badebetriebs ein sinnvoller Kraftwerksbau errichtet werden könnte. Hinsichtlich der Rentabilität eines solchen Vorhabens wäre jedoch höchste Achtsamkeit angebracht. Pelikan: „Wir sind hier in einem Bereich, wo man wirklich nur sparen, sparen, sparen kann, damit man einigermaßen über die Runden kommt. Mit der geringen Fallhöhe ist so ziemlich alles, was man zum Kraftwerk macht, schweineteuer. Man muss hier wirklich alle Varianten überlegen, bis hin zu einem Wasserrad! Es darf da keine Denkverbote geben!“.

Unsicherheitsfaktoren bei der Kalkulation bilden einerseits das Klima (im Sommer 2015 war der Wasserstand der Thaya für die Stromerzeugung viel zu niedrig), andererseits die Entwicklung des Strompreises. Bei einem Kraftwerksbau in Drosendorf gäbe es eine Vereinbarung für den Einspeistarif über 13 Jahre, der allerdings nicht fix, sondern abnehmend ist (10,25 Cent/kWh für die ersten 500.000 kWh, 7,36 Cent/kWh für die nächsten 500.000 kWh und dann immer weniger. Quelle: http://www.oem-ag.at/de/foerderung/).

Das bedeutet, dass sich eine Investition in ein solches Kleinkraftwerk frühestens in 30 Jahren rechnet und auch das nur, wenn alles optimal läuft.

 

Die Frische Liste zieht aus dem Gespräch mit Dr. Pelikan folgendes Fazit: Wünschenswert für ein derartiges Großvorhaben in Drosendorf wäre natürlich die volle Transparenz bei der Finanzplanung und eine möglichst umfassende Information der Bürger*innen und Badegäste über den geplanten Bau. Gut geeignet hierfür wäre zum Beispiel eine Informationsveranstaltung, bei der alle Fragen gestellt werden können. Andernfalls laufen wir Gefahr, einer Kostenexplosion gegenüber zu stehen, die noch unseren Enkelkindern Probleme bereiten wird.

 

Das vollständige Interview finden Sie hier als PDF zum Download.

Mit herzlichem Dank an Dr. Bernhard Pelikan, der sich mit bewundernswerter Geduld den vielen Fragen gestellt hat!

 

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ES DARF DA KEINE DENKVERBOTE GEBEN
Interview mit Dr. Bernhard Pelikan/BOKU Wien zu den Themen Fischwanderhilfen und Kleinkraftwerke
+++Interview Pelikan.pdf
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EINE LOGE AM FLUSS

Foto: Manfred Horvath
Foto: Manfred Horvath


Das Strandbad Drosendorf ist ein wertvoller Platz für die Tourismusgemeinde Drosendorf-Zissersdorf.


Ein geplantes Wasserkraftwerk darf den Badeplatz nicht zerstören. 


Kämpfen wir darum, dass es erhalten bleibt! 

 


Drosendorf an der Thaya ist eine kleine Stadt im nördlichen Österreich. Ein Idyll mit Stadtmauern rundherum und am Fuße der Stadt ein grün gerahmter Fluss. An der Thaya spielt auch folgende Geschichte.

 

E. ist neu hier und kommt pünktlich um elf. Sie nimmt auf der Terrasse Platz, trinkt ein Himbeerwasser, breitet Manuskripte aus und eine Reiseschreib­maschine. Dann beginnt sie zu lesen, lässt sich die Sonne auf den Rücken scheinen. Ein Bild des wohligen Friedens. Vor dieser Terrasse weitet sich eine große Wiese, am Saum mit hohen Erlen und verzeigten Weiden bestanden.

In der Zwischenzeit kommen junge Müttern mit ihren Kindern, ältere Herr­schaften, ein Mann mit einem Gummiboot zwängt sich durch die Tür.

 

Ach ja, ich habe ganz vergessen, mich vorzustellen. Es ist auch kaum Zeit dafür, da ich zwischen Küche und Eistruhe, zwischen dem Kassieren des Ein­tritts und dem Putzen der Sonnenliegen hin- und herspringe. Also, ich bin Strand­badwirtin, so hat sich die Bezeichnung hier bei uns eingebürgert. Strandbad­wirtin kann man im Norden Österreichs nur in den Sommermonaten sein, genau genommen in den Hochsommermonaten.

 

„Eine Melange bitte, und sagen Sie mal, was ist das für ein Strudel?“, Frau Z. lüpft die Geschirrtuch das sich schützend zwischen Mohnbirnenstrudel und Fliegen ausbreitet. „Wissen’S, Frau Mella, wissen Sie, unsere Wohnung wird uns schon fast zu viel. Der Haushalt in Wien und dann die viele Wäsche am Land, und finden Sie nicht auch, dass die Fahnen am Kreisverkehr zu bunt sind? Das passt doch gar nicht hierher. Heute wird es sicher heiß, wie die Sonne schon sticht, das raubt einen ganz den Appetit. Frau Mella, was kochen Sie eigentlich heute mittags?“ Frau Z. weiß noch viel mehr zu erzählen, aber ich lasse den Redefluss jetzt weg, weil ich Ihnen berichten will, dass das Strand­bad gar keinen Strand hat. Es hat eine grüne Wiesenkante mit Bäumen, und da­hinter liegt auch gar kein Bad, sondern ein dunkler Fluss. Ein Flussbad, ein Stückchen Badefluss. Auf der Wiese steht ein Holzpavillon aus den 1920er Jahren. Sein sonnenverbranntes Holz riecht nach Sommer. Er steht auf Stelzen und alle paar Jahre schiebt ein Eisstoß die zerborstnen Platten über die Wiese und jedes Mal kommt der Pavillon mit dem Schreck und ein paar kleinen Schrammen davon. Er hat zwei Flügeln, wo die Badekabinen untergebracht sind, und in der Mitte eine Kuppel. Am Türmchen war einmal eine Uhr, aber die muss schon lange weg sein, denn keiner der Gäste erinnert sich daran. Und das Gedächtnis der Gäste reicht über Generationen hinweg. Schon manche Ur­großmutter ist hier geschwommen. Genau im Kuppelbau stehe ich jetzt und be­diene die Kaffeemaschine, während es in der Küche zu zischen beginnt. Fast hätte ich die Zwiebeln in der Pfanne vergessen. Kaffee kassieren – Ja, der Ein­tritt kostet zwei Euro. – Nein, Bier nicht vom Fass. Ein helles oder ein dunkles? Nein, nur Hubertus. Die Zwiebel retten.

„Alte Stadt in prächtiger Lage, schattige Promenaden, 60 Kilometer markierte Wege, größtenteils in den ausgedehnten Nadelwäldern, staubfreie Luft, mildes Klima, daher trefflich geeigneter Aufenthalt für Rekonvaleszente, Nerven­leidende, Blutarme; die Flussbäder speziell bei Menstruationsstörungen vor­züglich bewährt. Witterungsverhältnisse sehr günstig, wenig Niederschläge, schwere Gewitter sehr selten. Den größten Schatz besitzt die Sommerfrische Drosendorf in ihrem Flussbade. Es dürfte wenige Sommerfrischen geben, welche ein derart günstiges Bad besitzen.“ So steht es im Führer „Nieder­öster­reichischer Sommerfrischen, Kurorte und Höhenstationen“ aus dem Jahre 1906.

Unter dem dritten Baum von links bezieht der elegante Herr K. seinen Platz. Er hat quasi ein Abonnement wie im Theater in der Josefstadt. Von ihm selbst wird der Platz auch als Einser-Loge benannt. Er kümmert sich wenig ums Wetter, so wie beim Abonnement der Theaterbesucher keinen Einfluss auf die Befindlichkeit des Stückes nehmen kann. Er vertraut der Großwetterlage, not­falls in Decken gehüllt, so wie der Abonnementbesitzer dem Theaterdirektor. Die Einser-Loge unter dem dritten Baum von links bezieht sonst niemand. Sie ist als solche seit Jahrzehnten vergeben. Auch andere Plätze haben Stamm­gäste, auch um sie unsichtbare Billeteure. Professor M. wäre mit seinen Platz ganz links außen als solcher hinzuzuzählen. Professor M. werden wir gleich näher kennenlernen.

Die Wiese ist nun gut belegt, von voll kann nicht gesprochen werden, dazu ist sie zu groß und das Wasser oft zu kalt. Wenn aber das weiche, durch den eisenhältigen Schlamm braun gefärbte Wasser warm ist, dann drängen sich auf der Holzleiter meine Badegäste. Gehen rein und raus. Es entsteht ein Stau. Die Bitte nach einem zweiten Einstieg hat unser Herr Bürgermeister abgelehnt: „Hier lernen sich die Leut’ kennen.“ Er ist ein weiser Mann.

 

Es gibt Hunderte Arten, ins Wasser zu steigen. Es gibt die Zögerlichen und die Helden, die Fatalisten und die Verspielten. Frauen nehmen eine Hand voll Wasser und lassen es zwischen den Busen auf den Bauch rinnen, Burschen köpfeln, Kinder sprudeln im Wasser, um die Fische zu verscheuchen. Ein Teil der Menschheit macht beim Einsteigen die Umgebung so nass wie möglich, ein anderer Teil geht völlig unspektakulär ins Wasser. Manche seufzen vor Wohl­behagen, schreien vor Schreck auf, schnauben wie Pferde oder sind stumm wie die Fische. Männer ziehen den Bauch ein, Mädchen betreten einen Laufsteg. Niemand aber bereitet sich so gut auf den Schwimmgang vor wie Prof. M. Er will es genau wissen. Auf einem Spagat hängt ein Thermometer. Mit diesem nimmt er mehrmals am Tag Messungen vor. Und glauben Sie nicht, dass Wasser Wasser ist. Die Oberfläche ist gleich um 1¼°C wärmer als die mittlere Wasserschicht, am Einstieg aber immer kühler, da ist das Wasser durch­einander gewirbelt, im Schatten anders als auf den Sonnenplätzen, in der Strömungslinie kälter als in den stillen Buchten. Prof. M. misst seit Jahr­zehnten. Er führt Buch, und einst werden die Daten wertvolle Hinweise auf die Klimaentwicklung geben können. Prof. M. taucht das Thermometer ins Wasser, wartet, zieht am Spagat, studiert, schüttelt den Kopf. „20¼°C“, antwortet er auf die unschuldige Frage eines Gastes. „gestern um die Zeit haben wir schon 21 C gehabt und am späten Nachmittag 22½°C. Dienstag waren es erst 19⅔°C, 20°C gradaus am frühen Nachmittag, bei der Treppe immer um einen Dreiviertel Grad kälter … 21½°C, 20¾°C, 23°C …“ Der Gast hört höflich zu, steht auf der Badestiege, die Füße schon im Wasser, und als ich nach einer guten Weile wieder hinschaue, schwirren ungebremst Grade und Dreiviertelgrade durch die Luft. Mit einem Kopfsprung rettet er sich, die Temperatur ist ihm mittlerweile gleichgültig.

 

Um E. am Tisch auf der Terrasse hat sich eine Schar von Bewunderern ein­gefunden. Die Manuskripte malerisch am Tisch verstreut und die Beine schwungvoll übereinander geschlagen, der Rücken nun halb im Schatten, halb in der Sonne. Den Bleistift hält Eva Maria wie eine Zigarette samt Zigaretten­spitz, das macht sie interessant und hält sie dennoch gesund. Meinerseits habe ich zu wenig Zeit, um einen Blick auf die Manuskripte zu werfen, aber ich bringe gerne Griechischen Bauernsalat und weitere Himbeerwasser.

 

„Wie schön ist es doch hier, so ruhig, so friedlich“, Frau Z. hat sich wieder an meiner Seite eingefunden. „Wissen’S, Frau Mella, hier kann man so richtig mit der Seele baumeln. Gestern hab’ ich erfahren, dass die Straße aufgerissen wird, ja kann man denn am Land gar keine Ruhe mehr haben?“ Mir baumelt die Zunge und weniger die Seele. Ein Toast, noch einer, aber ohne Ketchup, und Würstel, einmal süß, einmal scharfer Senf. Und dann wieder ein Toast, und das Gulasch mit den geretteten Zwiebel steht am Herd, und zwischendurch Eis und Kaffee und Kaffee und dann schon die ersten G’spritzten. Schwimmen macht durstig. Und hungrig. Das Gulasch ist aus. Also noch ein paar Portionen Griechischer Bauernsalat herrichten, und ich weiß jetzt schon, dass diese nicht satt machen. Warum weigere ich mich bloß, Pommes frites zu servieren?

 

Beim Schriftstellertisch klappert die Schreibmaschine. Wir sind hier alt­modisch, tragen Strohhüte und helles Leinen. „Einst, in der goldenen Zeit der Sommer­frische kamen die Gäste mit dem berühmten Erdäpfelsalat im Glas. Und den Schnittlauchbroten“, tippte E. in die Maschine. „Mochte der Semmering mondän, der Altausseer See das Tintenfass der sommerfrischelnden Dichter und der k.u.k. Badeort Abbazia chic sein: Drosendorf war gutbürgerlich. Es war die Sommer­frische des Wiener Mittelstands. Hier erholten sich die Beamten mit ihren schillernden Titeln, die Fritz von Herzmanovsky-Orlando so gerne auf seine spitze Feder spießte, von ihrem weniger schillernden Alltag. Hier fischten Zoll- und Oberamtsofficiale an der Thaya, hier dösten Bürgerschullehrer auf den vom Verschönerungsverein aufgestellten Bänken, hier kochten Fregatten-Kapitäns­gattinen das Kompott für den Winter ein und Telegraphen-Mani­pulantinnen führten ihre Hüte aus, die hier noch als Dernier Cri galten.“

 

Der letzte Schrei aber kommt von einer anderen Seite. Gellend. Ein Kind ist auf eine Biene gestiegen. Ich laufe in die Küche, schneide eine Zwiebel, hole Eiswürfel aus dem Eisfach, reibe seinen Fuß mit Zwiebel ein. Das kostet zwei verbrannte Toast in der Küche und einen guten Ratschlag von Frau Z. „Ja sehen’S, die Wiese gehört wieder mal gemäht. Der blühende Klee lockt die Bienen an.“ Die Schatten auf der ungemähten Wiese werden immer länger und klettern auf die Wände des Pavillons. Auf dem Wasser treiben Erlenblätter. Kühle Luft fällt vom Himmel, Gelsen steigen aus dem Gebüsch. Die Gäste sind schnell weg: der wassermessende Professor, der schlafende Logeninhaber, das Kind mit dem geschwollenen Fuß, Frau Z. und ihre Ratschläge. E. und ihr Kreis.

 

„Ich habe gehört, Sie schreiben auch“, erkundigt sich E. beim Abgang. – „Ja“, murmle ich, schon recht ermattet. – „Ich werde nämlich über dieses Strandbad schreiben. Einmalig! Diese Geschichte, die Charaktere! Man braucht ja nur hier zu sitzen und die Leut’ beobachten“. – Eine gute Idee, denke ich. Warum hatte ich sie nicht schon früher?

 

Mella Waldstein

 

(erschienen in KulturBegegnungen, 2011)

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