Frische Anmerkungen zu den „Emotionen“

NÖN vom 30. Juni 2021

Gemeinderat Roman Deyssig, Frische Liste. Obmann des Prüfungsausschusses. Foto: Nadine Reinagl
Gemeinderat Roman Deyssig, Frische Liste. Obmann des Prüfungsausschusses. Foto: Nadine Reinagl

Ja, es wurde wieder einmal laut im Gemeinderat: Immerhin wollte Bürgermeister Josef Spiegl wieder einmal nebenbei, ganz ohne Tages-ordnungspunkt, Geld für ein Straßenprojekt in einer Katastralgemeinde genehmigen lassen. Nachdem in den vergangenen 12 Jahren die Kanäle, Ortsdurchfahrten und Nebenanlagen (Gehsteige, Beleuchtung etc.) in nahezu allen 11 Katastralgemeinden erneuert worden sind, in Drosendorf-Stadt hingegen immer nur über die Kanalsanierung geredet, aber nichts unternommen wird, sollte diesmal die Zufahrt zum Lagerhaus Zissersdorf asphaltiert und von der Stadt Drosendorf bezahlt werden.

Warum ist dieser Punkt nicht auf der Tagesordnung zu finden gewesen?

Weil die Auftragsvergabe wegen der „geringen Summe“ (€ 47.000,- ) bereits zuvor im Stadtrat beschlossen worden war.

Nun, solche geringen Summen wurden in den vergangenen Jahren immer wieder mit raschen Beschlüssen, Dringlichkeitsanträgen oder sogar Umlaufbeschlüssen (z. B. Wolfsbach 2020) vergeben. Das Geld wird aus Drosendorf Stadt abgezogen, wo bei den Straßen mittlerweile „Gefahr im Verzug“ herrscht (siehe auch Gutachten Badstraße), und wo die Gäste vor dem Gasthof Failler - immerhin ein Leitbetrieb, der bedeutende Einnahmen für die Gemeinde erwirtschaftet - immer noch im Gatsch aussteigen müssen.

Aus früheren Gemeinderatsprotokollen ist ersichtlich, dass die Sanierung des Kanals in Drosendorf bereits vor mehr als zehn Jahren geplant und budgetiert worden war. Nun stellt Bgm. Josef Spiegl diese mehr als dringende Sanierung für die Jahre 2022 bis 2032 in Aussicht! Da soll man ruhig bleiben?

Dass in Drosendorf-Stadt alles verkommen und verdreckt ist, ist auch an den neu geschotterten Gehwegen zu sehen, auf denen ältere Bürgerinnen und Bürger nun gar nicht mehr gehen können. Auf den Promenaden wuchert derweil das Gras…

Frau Dr. Ulrike Kirchweger machte diese Diskussion daraufhin zu einer Frage der Ortsbildpflege und „warf ein, dass das Ortsbild in den Katastralgemeinden häufig deshalb schöner sei als jenes in Drosendorf, weil sich in den Orten die Menschen freiwillig selbst darum kümmern würden.“ Leider vergaß sie dabei auf jene Drosendorferinnen, die sich seit Jahren unentgeltlich um das Ortsbild kümmern und oft dabei zu beobachten sind, wie sie der Gemeinde Arbeit abnehmen (Büsche schneiden, Taferln putzen…).

 

Weiters ging es darum, dass ein potenzieller, heiß ersehnter neuer Pächter von Schloss Drosendorf darüber aufgeklärt werden müsste, dass die touristische Infrastruktur in Drosendorf an allen Ecken und Enden reperaturbedürftig ist:

  • das Terrassenbad wird seit Jahren nicht repariert
  • das historische Strandbad ist in Gefahr, weil die gesetzlich vorgeschriebene Fischwanderhilfe (sie hätte bis 2014 errichtet werden müssen, dafür hätte es auch kräftige Landesförderungen gegeben…) noch nicht einmal geplant worden ist! Wenn Geduld der Behörde zu Ende geht, wird die Wehranlage geschliffen, dann ist es vorbei mit den Badefreuden
  • ebenso im Weissbad: dort wurde zwar eine Fischwanderhilfe geplant und auch die Finanzierung mehrmals beschlossen, geschehen ist bis heute nichts
  • die Promenaden sind ungepflegte Trampelpfade
  • Straßen, Wege und auch die Radwege sind in einem erbärmlichen Zustand und - Beispiel Julius Hermann Straße - sogar lebensgefährlich.

In diesem Zusammenhang ist es allerdings nicht korrekt, wie Thomas Weikertschläger schreibt, dass Roman Deyssig von „Betrug“ gesprochen hat, sondern er sagte, dass neue Pächter über die Zustände aufgeklärt werden solle, damit er sich nicht um seine Chancen betrogen fühle.

 

Abschließend müssen wir noch anmerken, dass der Umgangston im Gemeinderat seit Jahren grob und untergriffig ist

 - nämlich vonseiten so manches Ortsvorstehers aus der Liste Spiegl. Ihre Aussagen haben es allerdings bislang nicht in die NÖN geschafft, weil diese Herrschaften in Anwesenheit eines Journalisten ihren Mund erst gar nicht auf bekommen. Es wäre wünschenswert, dass Thomas Weikertschläger seine Schlüsse nicht allein aus zwei live miterlebten Sitzungen zieht, sondern sich, wie sein Vorgänger Martin Kalchhauser, auch einmal mit den Ursprüngen der Konflikte näher befasst.