50 Jahre Gemeindezusammenlegung

Auseinander

Bgm. Josef Spiegl schreibt in seiner Aussendung, dass es ihn ärgere, dass „manche“ fordern würden, Drosendorf-Stadt wieder von den Ortschaften zu trennen. Spiegl weiter: „Für mich ist es ein absurder Gedanke, die Katastralgemeinden wieder von der Stadt Drosendorf zu trennen. Erfolgte die Zusammenlegung nicht zur Freude aller, ist die Großgemeinde doch in einem langen Prozess zusammengewachsen. Fakt ist, dass ein Miteinander besser ist, als ein Gegeneinander .“

 

Am 1. Jänner 2021 jährt sich die Zusammenlegung der Gemeinden Drosendorf und Zissersdorf zum 50. Mal.

Die ersten vier Jahrzehnte nach dieser Vereinigung haben Bürgermeister aus Drosendorf mit starker Hand darauf geachtet, dass die Stadt bekommt, was ihr zusteht. Die Anliegen der Katastralgemeinden wurden damit immer wieder zurückgestellt - naturgemäß nicht zur Freude der Ortschaften.

 

Seit nunmehr zehn Jahren ist es umgekehrt, unter der Führung des Zissersdorfer Bürgermeisters bekommen bzw. holen sich vor allem die Ortschaften finanzielle Mittel aus dem Budget. Geld, das in der Stadt erwirt-schaftet worden ist, die zunehmend reparaturbedürftig wird: Kanal und Straßenbau in Drosendorf Stadt wurden zwar in Gemeinderatssitzungen ab 2012 mehrmals als „in Planung“ erwähnt, geschehen ist bis heute nichts.

 

Saniert worden sind hingegen die Ortsdurchfahrten:
Oberthürnau und Heinrichsreith (2015)
Autendorf (2016)
Altstadt (2019)
Wolfsbach (2020/21)

 

Zudem lamentieren die Vertreter der Ortschaften, vor allem die Herren Gutmann, Bender und Beer, aber auch (erstaunlicherweise) Ludwig Schneider, immer lauthals

über jeden Euro, der für Projekte in der Stadt ausgege-ben werden soll. Wer das nicht glaubt, möge selbst eine Gemeinderatssitzung besuchen, um dort mit eigenen Ohren zu hören, in welcher Weise auf die Stadt ge-schimpft wird. Ab und zu gibt es zwar Konter der Vize-bürgermeisterin Hildegard Juricka, auch von Dr. Ulrike Kirchweger. Doch im Grunde ist sich die Mehrheit der ÖVP-Gemeinderäte einig, dass in der Stadt weder in den Tourismus, noch in Verkehr und Infrastruktur investiert werden muss. Von Kultur ganz zu schweigen.

 

Die Folgen sind verheerend: Die touristische Infrastruktur in Drosendorf ist vernachlässigt oder kaputt, das Orts-bild ungepflegt, erfolgreiche Projekte, wie die Circusluft, sind gefährdet und wurden über die vergangenen Jahre derart verächtlich behandelt, dass es schwierig (und überdies teuer) sein wird, das Projekt wieder in Gang zu bringen. Mit der drohenden Schließung der Frühstücks-pension Schloss Drosendorf fehlen mit einem Schlag

60 Betten. Anstatt in Zeiten, in denen aufgrund einer Pandemie die Reisefreiheit extrem eingeschränkt ist, voll auf die Renaissance der Sommerfrische zu setzen, wurde nicht einmal ein Stadtrat für Tourismus installiert.

 

Fakt ist also, dass in 50 Jahren gar nichts zusammenge-wachsen ist. Es gab und gibt überhaupt keine Solidarität der Ortschaften gegenüber der Stadt, um gemeinsame
Anstrengungen, die allen Mitbürger:innen zugute kämen, zu stemmen. Das geradezu verzweifelt heraufbeschwo-rene „Miteinander“ existiert nicht (hat nie existiert), somit erscheinen Überlegungen zu einem „Auseinander“ durchaus logisch und nachvollziehbar.