Exkursion nach Gmünd/Kärnten

17.–19. Mai 2019

Freitag, 17. Mai

Jens August, Fotograf
Vernissage in der Galerie August

Gleich nach der Ankunft wurde die Gruppe aus Drosendorf von Johannes Krämmer, Kulturinitiative Gmünd, empfangen und zur Vernissage des Fotografen Jens August in dessen Villa August begleitet.

Dort wurden Leopold Meiringer, Brigitte Häckel, Cordula Bösze, Andreas Deppe und Peter Laher von Bgm. Josef Jury und Vizebgm. Heidemarie Penker sehr herzlich begrüßt. Heidi Penker erwähnte sofort die Besuche von Altbgm. Franz Tades aus Drosendorf, an die sie sich noch gut erinnert.

Hannes Krämmer führte die Waldviertler durch die Pop-Art-Ausstellung und nach vielen  Gesprächen mit Künstlerinnen und Künstlern aus Frankreich, Deutschland, Brasilien und Österreich und ein paar ausgezeich-neten Gläschen Wein wurden dann im Gasthof Kohlmayr noch die ersten Anzeichen der sich abzeichnenden Regierungskrise in Österreich registriert.

 

Samstag, 18. Mai

Johannes Krämmer vor dem Kulturkino Gmünd
Johannes Krämmer vor dem Kulturkino Gmünd

Vormittags „Turner, Meister des Lichts“ im Kulturkino. Nach dem Mittag-essen  öffnete Hannes Krämmer im Büro der Kultur-initiative die Schränke voller Kataloge.

Stadt-Turm Gmünd
Stadt-Turm Gmünd

Nachmittags in der grandiosen Turner-Ausstel-lung im alten Stadtturm, wo erneut Vizebgm. Penker anzu-treffen war, diesmal im Museums-Shop.

Burg Gmünd
Burg Gmünd

Vor dem sehr späten Statement des Bundeskanzlers und der Erklärung des Bundespräsidenten ging sich noch ein Spaziergang zur Burg aus.

Sonntag, 19. Mai

Stadtmauer Gmünd
Stadtmauer Gmünd

Spaziergang um die Stadtmauer und danach Führung durch das „Haus des Staunens“ im Pankratium:

eine Ausstellung mit äußerst vergnüglichen künstlerischen Objekten zum Thema Wasser und Musik.

Außerdem gibt es in dem einmalig schönen Haus eine alte Kegelbahn, ähnlich jener, die es früher neben dem Horner Tor in Drosendorf gegeben hat.

Die Kegelbahn im Haus des Staunens
Die Kegelbahn im Haus des Staunens
aus dem böhmischen Prater in Wien
100 Jahre altes Ringelspiel

Die Künstlerstadt Gmünd

Stadtentwicklung durch Kulturarbeit

Gmünd in Kärnten liegt im Liesertal an der Mündung der Malta in die Lieser (daher der Name Gmünd). Die mittelalterliche Stadt hat 2.600 Einwohner und beschäftigt in etwa 120 Klein- und Mittelbetrieben an die 800 Arbeiter und Angestellte.

Auf Initiative der Kunsthistorikerin und Antiquitätenhändlerin Margarete Miklautz entstand im Jahr 1991 die Kulturinitiative Gmünd, die zunächst einen Orts- und Regionalentwicklungsplan mit dem Schwerpunkt „Bildende Kunst“ erarbeitete. Der Ort kämpfte zu dieser Zeit mit den nur allzu bekannten Problemen:

Dünne Besiedelung, Arbeitslosigkeit/Auspendeln, Bevölkerungsabwanderung, Stadtkern Entleerung.

Also überlegte man zur Belebung der Stadt ein Konzept, um mit  Kunst in alten Mauern den Aufbau eines Kulturtouris-mus zu versuchen, der die Lebensqualität steigern sollte. Voraussetzungen dafür waren ein professionell geführter Kulturverein mit einem offenen, unabhängigen Kulturbüro im Rathaus als Anlaufstelle für kulturellen Belange. Weiters die Schaffung einer Dachmarke für alle Kulturanbieter, gute Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde sowie eine
erfolgreiche Finanzierung des Trägervereins.

Als wichtigste Faktoren für einen nachhaltigen Erfolg dieser Initiative nannte Johannes Krämmer, der im Dezember 2018 im Rahmen des Vernetzungstreffens der NÖ Stadmauerstädte in Zwettl einen Vortrag hielt:

  • Schritt für Schritt Taktik
  • Revitalisierung leer stehender Häuser
  • Angebotsvielfalt – für jeden etwas
  • Gleichbleibend hoher Qualitätsanspruch
  • Akzeptanz schaffen in Bevölkerung
  • Akzeptanz schaffen in lokaler Politik
  • Besondere Marketingmaßnahmen setzen
  • Humanpotential
  • Begeisterung, Visionen und Durchhaltevermögen (Hervorhebungen Cordula Bösze)

Von der Begeisterung und dem Durchhaltevermögen konnten wir uns bei diesem Besuch persönlich überzeugen: in der Kulturinitiative arbeiten zehn ständige Mitglieder, die meisten davon bereits über sehr viele Jahre. Der Verein verfügt über 220 fördernde Mitglieder und saisonal bis zu 12 MitarbeiterInnen (Kulturbüro, Ausstellungen, Kino, usw.).
Die rund 120 Veranstaltungen an 260 Tagen/Jahr werden von ca. 20.000 Gästen/Jahr besucht. Die Ausstellungen verzeichnen ca. 95.000 BesucherInnen pro Jahr.

Das kulturelle Angebot umfasst mittlerweile u. a. Ausstellungen in vielen Gebäuden der Stadt, Artist-in-Residence-Programme, Open-Air-Kunstprojekte, Kunstvermittlungsprogramme und Schulkooperationen, Kulturkino, Konzerte, Literaturveranstaltungen etc…

Die Stadtturmgalerie hat sich zum bedeutendsten Ausstellungsort in Oberärnten entwickelt, dort werden mittlerweile internationale Größen ausgestellt, wie Max Weiler, Werner Berg, Alfred Hrdlicka, VALIE EXPORT, Hans Staudacher, Alfred Kubin, Paul Flora, Joan Miró, Henri Matisse und 2019 William Turner.

Die Erfolge sind der Stadt anzusehen: ein gelungenes Leerflächenmanagement bzw. die Wiederbelebung zahlreicher, vor Jahren noch leerstehender Gebäude in der Altstadt, ein gepflegtes Stadtbild und der Besucherzustrom haben den anfänglich großen Widerstand vonseiten der Bevölkerung und auch der Politik mittlerweile vollends verstummen lassen: Durch eine deutlich gestiegene Verweildauer der 150.000 Tagesgäste im Jahr konnte auch die Wertschöpfung entsprechend gesteigert werden. Bei der Annahme, dass jeder Gast € 25,- ausgibt, liegen die Einnahmen bei über 3,5 mio Euro im Jahr.

Finanziert wird die Kulturinitiative vom Bund (BKA) mit € 50.000,-, Land Kärnten € 45.000, Stadtgemeinde Gmünd

€ 30.000,-. Dazu kommen Gelder von Sponsoren und aus EU-Projekten, sodass zusammen mit den Einnahmen pro Jahr € 260.000,- als Kulturbudget zur Verfügung stehen.

Knapp 30 Jahre kulturelles Engagement einer Kulturinitiative haben die kleine mittelalterliche Stadt Gmünd wiederbelebt und in ein lebendiges Kleinod und beliebtes Kulturzentrum verwandelt.
Eine ganze Stadt lebt die Kunst!

 

Der Inhalt dieses Artikels ist einem Vortrag entnommen, den Frau Dr. Erika Schuster, Kulturinitiative Gmünd, erstellt und den Johannes Krämmer beim Vernetzungstreffen der NÖ Stadtmauerstädte am 20. November 2018 in Zwettl gehalten hat.