„Es darf da keine Denkverbote geben!“

Dr. Bernhard Pelikan, BOKU Wien. Foto: Julia Snajdr
Dr. Bernhard Pelikan, BOKU Wien. Foto: Julia Snajdr

Die Gemeinde Drosendorf hat zur Finanzierung der vorgeschriebenen Fischwanderhilfe bei der Spitalmühle (Strandbad) die Planung eines Kleinkraftwerks in Auftrag gegeben.

Die zahlreichen technischen, finanztechnischen und ökologischen Fragen dazu kann nur ein Experte kompetent und umfassend beantworten, daher hat die Frische Liste Herrn Professor Dr. Bernhard Pelikan von der BOKU Wien, der sich seit 30 Jahren mit dem Bau von Kleinkraft-werken und Fischaufstiegshilfen beschäftigt, um ein Interview gebeten.

 

Im ersten Teil geht es um Fragen zu den Fischwanderhilfen, die mittlerweile Organismenwanderhilfen genannt werden, weil auch Kleinstlebewesen die Hindernisse in der Thaya überwinden können sollen. Dabei wird der Eindruck bestätigt, den die meisten Drosendorfer*innen haben: dass nämlich die Natur hier an der Thaya in einem sehr guten Zustand ist, was z. B. auch durch die Anwesenheit seltener Vögel, wie dem Eisvogel, bestätigt wird. Durch die Wehranlagen, die zum Teil vor mehreren Jahrhunderten errichtet worden sind, sind neue Lebensräume für Pflanzen- und Tierwelt entstanden. Die Durchgängigkeit der Gewässer muss jedoch per Gesetz trotzdem hergestellt werden. Bernhard Pelikan erläutert in dem Gespräch die Bautypen von Organismenwanderhilfen, und beschreibt anschaulich die Möglichkeiten, die an der Spitalmühle im Strandbad gegeben wären:

 

1) Ein Umgehungsgerinne (wie bei der Häckelmühle), wofür der alte Mühlbach genutzt werden könnte.

2) Eine flache Rampe, für die unterhalb der Wehranlage Steine aufgeschüttet würden, wodurch Becken entstehen, über die Fische und Kleinstlebewesen wandern könnten. Diese Variante sieht sehr natürlich aus und würde auch die (sanierungsbedürftige) Wehranlage im Strandbad besser abstützen.

 

Im zweiten Teil des Interviews wird der konkrete Bauplan für ein Kleinkraftwerk in der Spitalmühle besprochen – wobei derzeit wesentliche technische Details noch nicht bekannt sind. Pelikan hält es durchaus für möglich, dass hier ohne Beeinträchtigung des Badebetriebs ein sinnvoller Kraftwerksbau errichtet werden könnte. Hinsichtlich der Rentabilität eines solchen Vorhabens wäre jedoch höchste Achtsamkeit angebracht. Pelikan: „Wir sind hier in einem Bereich, wo man wirklich nur sparen, sparen, sparen kann, damit man einigermaßen über die Runden kommt. Mit der geringen Fallhöhe ist so ziemlich alles, was man zum Kraftwerk macht, schweineteuer. Man muss hier wirklich alle Varianten überlegen, bis hin zu einem Wasserrad! Es darf da keine Denkverbote geben!“.

Unsicherheitsfaktoren bei der Kalkulation bilden einerseits das Klima (im Sommer 2015 war der Wasserstand der Thaya für die Stromerzeugung viel zu niedrig), andererseits die Entwicklung des Strompreises. Bei einem Kraftwerksbau in Drosendorf gäbe es eine Vereinbarung für den Einspeistarif über 13 Jahre, der allerdings nicht fix, sondern abnehmend ist (10,25 Cent/kWh für die ersten 500.000 kWh, 7,36 Cent/kWh für die nächsten 500.000 kWh und dann immer weniger. Quelle: http://www.oem-ag.at/de/foerderung/).

Das bedeutet, dass sich eine Investition in ein solches Kleinkraftwerk frühestens in 30 Jahren rechnet und auch das nur, wenn alles optimal läuft.

 

Die Frische Liste zieht aus dem Gespräch mit Dr. Pelikan folgendes Fazit: Wünschenswert für ein derartiges Großvorhaben in Drosendorf wäre natürlich die volle Transparenz bei der Finanzplanung und eine möglichst umfassende Information der Bürger*innen und Badegäste über den geplanten Bau. Gut geeignet hierfür wäre zum Beispiel eine Informationsveranstaltung, bei der alle Fragen gestellt werden können. Andernfalls laufen wir Gefahr, einer Kostenexplosion gegenüber zu stehen, die noch unseren Enkelkindern Probleme bereiten wird.

 

Das vollständige Interview finden Sie hier als PDF zum Download.

Mit herzlichem Dank an Dr. Bernhard Pelikan, der sich mit bewundernswerter Geduld den vielen Fragen gestellt hat!

 

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ES DARF DA KEINE DENKVERBOTE GEBEN
Interview mit Dr. Bernhard Pelikan/BOKU Wien zu den Themen Fischwanderhilfen und Kleinkraftwerke
+++Interview Pelikan.pdf
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